Die nicht alltägliche Geschichte

Das «Rössli» hat eine nicht ganz alltägliche Geschichte, welche in der Solothurner Zeitung 2017 veröffentlicht wurde und
die von Walter Ischi im Buch «500 Jahre Kirche Seeberg» aus dem Jahr 2016 festgehalten ist.
Der letzte Besitzer, Hans Mühlemann, galt als Original und sorgte für viel Gesprächsstoff.
So hängte er kurzerhand das Schild «Heute geschlossen» an die Tür, wenn drei Jasser bei ihm einkehrten und
er ungestört mitspielen wollte.
Oder er bot einem Gast an einem kalten Wintertag, anstelle von etwas Warmem, einen Schnaps an.

Hans Mühlemanns Vater – aus Grasswil stammend – kaufte in den 1960er-Jahren die «Wirtschaft an der unteren Ösch»,
wie sie damals noch hiess. Als aber sein Sohn Kavallerist wurde, taufte er sie kurzerhand auf den heutigen Namen «Rössli» um.
Schon zu Lebzeiten äusserte Hans Mühlemann den Wunsch, unter dem Platanenbaum auf dem Friedhof von Seeberg
begraben zu werden – am Schatten, wo er keinen Durst mehr leiden müsse.
Dass er dann in seinem Testament die reformierte Kirchgemeinde Seeberg als Alleinerbin einsetzte, war dann doch einzigartig.

Die ungewöhnliche Erbschaft

Die Kirchgemeinde prüfte und beriet die ungewöhnliche Erbschaft und entschloss sich schliesslich für deren Annahme.
Seit dem Jahr 1975 ist die reformierte Kirchgemeinde Seeberg besitzerin vom Rössli Oekingen.
Die Auflagen der testamentarischen Verfügung hörten sich nicht unbedingt einfach an.
Als erstes musste die Wirtschaft grosszügig umgebaut werden. Ferner war festgehalten, dass die Gastwirtschaft und
das umliegende Grundstück während dreissig Jahren nicht verkauft werden dürften, und ein allfälliger Verkaufsgewinn
vom übrigen Landbesitz für eine neue Orgel und neue Glocken in der Kirche Seeberg verwendet werden müsse.
Im Testament stand: «Man soll sagen, die Glocken von Mühlemann Hans läuten den Sonntag ein.»
Zudem habe ein Berner Ehepaar den Betrieb zu führen. Gemäss Information der reformierten Kirchgemeinde Seeberg,
ist ein Berner Ehepaar als Mieter nicht mehr zwingend.

 Seit Januar 2018 verwöhnen Anke und Albert Brogle die Gäste im Restaurant «Rössli» in Oekingen

Mit dem Wirten liebäugelte Albert Brogle schon immer. Er erlernte den Beruf eines Metzgers,
bildete sich nachher zum Kaufmann weiter und erlangte das Wirtepatent.
Seit zehn Jahren ist er nun bereits in der Gastronomie tätig, zuletzt in der «Sonne» im aargauischen Etzgen.
«Wir möchten ein Dorflokal sein, welches die Bevölkerung und die Vereine gerne aufsuchen», sagt der neue Wirt.
Der Gast solle seinen Bedürfnissen entsprechend verwöhnt werden, ob Familienfeier oder Schlummertrunk.

Quelle Solothurner Zeitung